Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Transkript

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00:00:00: Berliner Verkehr.

00:00:02: Bezüglich dem Berliner Verkehr steht an jeder Ecke ein Mann, der müllert und hält alle Autos- und Kinderwägen und Invaliden auf Rollen an.

00:00:14: Weiße Handschuhe heben sich Lampenblinken Signale blitzen Während gelangweilte Fahrgäste in den Wagen sitzen, auch haben wir leuchtende Schildkröpen.

00:00:27: bitte sehr.

00:00:28: und das einzige was uns noch fehlt ist der Verkehr.

00:00:33: Aber wo nichts ist, haben nur seine Majestät der Kaiser das Recht verloren – nicht aber wir deutschen Organisatoren!

00:00:42: Denn ist auch unser Wagenpark noch so klein, organisiert muss

00:00:48: sein!".

00:00:49: Es lässt uns nicht ruhen.

00:00:51: Und genauso wie wir dies tun, wie wir den nicht vorhandenen Verkehr in klein Rülpsich und Groß-Berlin befestigen und organisieren, regieren wir im ganzen Lande umher!

00:01:06: Das deutsche Leben gehört dem Aktenverkehr.

00:01:11: Wir organisieren Kleinkindergärken... und das Großhamburger Hafenlogie, den Radiumverbrauch auf dem Lande, den Weinbau in Ostbräußen sowie auf Zucht von Ammen- und Seidenraubendem Spreewald auch desgleichen den Wohnungsbau und die Reform der Aktenzeichen.

00:01:34: Sinn hat unser Tunkeinen in allen Fällen!

00:01:38: Wir sind so, wie wir uns die Amerikaner vorstellen.

00:01:42: Wir sind nicht mehr Posen noch nicht Amerika, sondern stehen inmitten beider in emsiger Lehre da.

00:01:53: Halten den Verkehr auf und uns für sehr fortgeschritten!

Über diesen Podcast

"Schnipsel" nannte Kurt Tucholsky (1890-1935) seine späten Aphorismen. Sein journalistisches, feuilletonistisches und lyrisches Gesamtwerk ist aber weit mehr als das: Ein hochintelligent-pointierter Kosmos seiner Zeit.

Der Sprach- und Sprechkünstler Frank Dittmer trägt in diesem Podcast seit 2019 wöchentlich einen neuen Text von Tucholsky vor: über Politik und Liebe, Kunst und Literatur, die Tragik und die Komik des Lebens.

Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind vor hundert Jahren veröffentlicht worden - also zu Beginn der "Goldenen Zwanziger", von Tucho skeptisch-wohlwollend beäugt und schonungslos-satirisch beschrieben. Aktuell sind Texte aus dem Erscheinungsjahr 1926 zu hören.

Nach längerer Schaffenspause 1923 ließ sich Tucholsky Anfang 1924 wieder von Siegfried Jacobsohn für die "Weltbühne" unter Vertrag nehmen und zog im April des Jahres als deren Korrespondent nach Paris. Bis Ende 1926 blieb Frankreich sein Lebensmittelpunkt.

Übrigens: Der Name dieses Podcasts leitet sich von einem der fünf Pseudonyme Kurt Tucholskys ab: "Ignaz Wrobel".

Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis aller hier bisher veröffentlichten Tucholsky-Texte mit Hyperlinks befindet sich hier: https://www.frank-dittmer.de/liest-tucholsky

von und mit Frank Dittmer

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