Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Transkript

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00:00:00: Kartengruß aus dem Engardin.

00:00:03: Unten im weißen Nietzsche Haus geht Ludwig Fulda ein und aus, Und ein und Aus wegen Kongenial.

00:00:13: Drumherum wallen und ziehen Menschenbrocken ausgespiehen aus Berlin.

00:00:20: Herr Vendrinner Frau Vendrina lauter ringfeines Smoking-Berliner.

00:00:25: Wenn sie durch die Landschaft gehen, wird ihnen hinten rumsomondänen.

00:00:30: Sie machen mit den Kellnern Krach!

00:00:32: Sie sind wie im Geschäft überwacht.

00:00:35: Der Fächskletscher leuchtet in eisiger Ruhe.

00:00:39: Ihr Gesicht sagt, da steht mir nämlich zu Ich hab es bestellt, ich habe es bezahlt.

00:00:45: Für mich ist der Zauber hier aufgemalt.

00:00:49: Nachts unter den ewigen Sternen werden sie in grauen Kasernen untergebracht, da in den Riesenhotels schlummern die großen Frauen vollschmelzselig im Arm der Liebe.

00:01:04: Noch arm!

00:01:06: Die leitziger Straße hat ihren Charme hier hinauf geschickt In sauerster Süße.

00:01:14: Du guter Leser, herzliche Postkartengöße.

00:01:17: Hier gletschern die Gletscher Der Fächsbach rauscht, die Sonne brennt Das Zeltdach bauscht sich im heißen Mittagswind, Ein Kindlein pflückt bunte Blumen lind.

00:01:32: Da sitzt Theobald und fühlt innerlich.

00:01:36: Und wer pflügt mich?

Über diesen Podcast

"Schnipsel" nannte Kurt Tucholsky (1890-1935) seine späten Aphorismen. Sein journalistisches, feuilletonistisches und lyrisches Gesamtwerk ist aber weit mehr als das: Ein hochintelligent-pointierter Kosmos seiner Zeit.

Der Sprach- und Sprechkünstler Frank Dittmer trägt in diesem Podcast seit 2019 wöchentlich einen neuen Text von Tucholsky vor: über Politik und Liebe, Kunst und Literatur, die Tragik und die Komik des Lebens.

Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind vor hundert Jahren veröffentlicht worden - also zu Beginn der "Goldenen Zwanziger", von Tucho skeptisch-wohlwollend beäugt und schonungslos-satirisch beschrieben. Aktuell sind Texte aus dem Erscheinungsjahr 1926 zu hören.

Nach längerer Schaffenspause 1923 ließ sich Tucholsky Anfang 1924 wieder von Siegfried Jacobsohn für die "Weltbühne" unter Vertrag nehmen und zog im April des Jahres als deren Korrespondent nach Paris. Bis Ende 1926 blieb Frankreich sein Lebensmittelpunkt.

Übrigens: Der Name dieses Podcasts leitet sich von einem der fünf Pseudonyme Kurt Tucholskys ab: "Ignaz Wrobel".

Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis aller hier bisher veröffentlichten Tucholsky-Texte mit Hyperlinks befindet sich hier: https://www.frank-dittmer.de/liest-tucholsky

von und mit Frank Dittmer

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