Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Wrobel - Der Tucholsky-Podcast

Transkript

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00:00:00: Herr Vendrina erzählt eine Geschichte.

00:00:02: Mahlzeit!

00:00:03: Guten Appetit, noch der Wolle anfangen.

00:00:06: Na was ist?

00:00:07: Du hast uns zum Essen reingerufen.

00:00:09: das Essen steht nicht auf dem Tisch?

00:00:10: Hundertmal habe ich schon gesagt wenn ich reinkomme will ich dass das Essen auf dem Tisch steht.

00:00:17: Das Mädchen, das Mädchen!

00:00:19: Entschuldigen Sie, Weltsch.

00:00:20: Aber war ein neues Mädchen?

00:00:21: Nein ich will mich am Sonntag nicht ärgern.

00:00:23: Ja also was ich sagen wollte Ich wollte Ihnen doch erzählen Was mal da neulich passiert ist.

00:00:28: Ich komme also.

00:00:29: ah Endlich die Suppe Guten Appetit To auf.

00:00:33: Ich komm' also nach dem Theater.

00:00:34: Ich glaub's war im Schauspielhaus Na doch nicht Im deutschen Theater.

00:00:38: Richtig Komm ich raus Und geh so auf der Straße.

00:00:41: Mir nicht so viel Klösschen.

00:00:42: Weltschnümen sie von den Klöschen Die sind Axiel.

00:00:46: Ich soll so bloß nicht essen, ich wär so dick, sagt der Arzt.

00:00:49: Komm' ich raus!

00:00:50: Sprich mich in wildfremder Menschhand.

00:00:52: Ganz jung, ganz junger

00:00:53: Mensch.".

00:00:54: So Walter, kannst du dich denn nicht vorsehen?

00:00:58: Jetzt haste wieder alles daneben gespritzt.

00:01:00: Nächstens werden wir dir einen Pichel umbinden.

00:01:03: So ein großer Junge weiß oder rotwälsch.

00:01:06: Ich nehm auch lieber Roten.

00:01:07: Ein ganz jünger Mensch.

00:01:08: Ich kenne ihn nicht.

00:01:09: Gib mir mal bisschen Salz und sprich mich an.

00:01:12: Er hat nichts zu

00:01:13: Essen!".

00:01:13: Ich sage lieber Freunde, ich hab auch manchmal nichts zu essen.

00:01:16: Aber deshalb spricht man doch nicht gleich jeden Menschen auf der Straße an!

00:01:20: Aus ihr rechnet mich als ob nicht reichere Leute aus dem Theater... Och lächerlich welch was ihnen meine Frau auftut.

00:01:28: können sie essen?

00:01:29: Schönieren gibt's hier nicht.

00:01:30: nun nehmen Sie schon.

00:01:32: also ich sag zu den jungen Mann hören sie mal sach' ich sie sehen doch ganz anständig aus.

00:01:37: wie kommt das dass sie nichts zu Essen haben?

00:01:40: Welch, jetzt tun sie mir den einzigen gefallen und zieren Sie sich hier nicht.

00:01:44: Nehmen Sie doch!

00:01:45: Nun nehmen Sie noch ein bisschen Zander, nun nehmen Sie doch, betienen Sie sich.

00:01:49: Genötigt wird ihr nicht?

00:01:51: Ja, sagt der junge Mann, er wär aus Bresslau ich euch natürlich auf, weil... Du sollst nicht so viel Buttersauce essen.

00:01:59: Ist nicht soviel, das bekommt ihr nicht!

00:02:01: Noll ich hatte sich erst übergeben... ...ist nicht sovieh Buttersoße?

00:02:05: Kannst du dich hören?

00:02:06: Nehm' mir mal die Buttersoße weg!

00:02:07: Nimm sie noch ein bisschen Welch!

00:02:09: Vor Ihn Sonntag war Regierer hier da hat sich für drei Wochen Folge gegessen.

00:02:14: Ein gesunder Appetit!

00:02:15: Nehmen Sie noch ein bißchen Welch.

00:02:17: Jetzt hast du wieder das gehackte Ei vergessen.

00:02:20: Passt doch ein bisschen besser auf, nie passt da auf!

00:02:23: Was sagen sie?

00:02:23: welches Volksentscheid?

00:02:25: Ich weiß nicht ich bin nicht dafür.

00:02:27: Ich habe so'n unbehagliches Gefühl.

00:02:29: damit fangen Sie an und mit dem Auto hören Sie nachher auf Und ich will Ihnen mal sagen... Da brich mich doch nicht immer, ich will ihnen mal sagen gerade die Juden sollten Latomistik Ja, ja.

00:02:41: Das Fleisch ist sehr schön durch!

00:02:43: Ich erzähl ihn nachher weiter.

00:02:45: jetzt nicht, sagt der junge Mann also zu mir, er wär aus Breslau... Ich habe mich unterbrochen.

00:02:50: Es ist nicht nötig, dass das Mädchen alles hört!

00:02:53: Sie gehen bloß nachher rum und erzählen wer weiß was.

00:02:56: Nimmst du doch ein bisschen Kompott?

00:02:57: Kompot ist sehr gesund.

00:02:59: Essen sie auch Frut sollt?

00:03:01: Ich meine so einen Salz.

00:03:02: Das kann ich dir jetzt abführen bitte.

00:03:04: Hilde, siehst Du eigentlich von Deinen Eltern, da sie sich bei Tisch in der Nase bohren?

00:03:09: Bei Tisch bohrt man nicht in die Nase... Tut man überhaupt nicht hat Weltsch ganz recht.

00:03:13: Ja um auf den jungen Mann zurückzukommen.

00:03:15: Er erzählt also von Breslau.

00:03:17: Kommt raus.

00:03:18: er hat kleiner junge mein verstorbenen Vater gekannt.

00:03:21: Er hat manchmal Bobbungs von ihm bekommen, ich habe mich natürlich nicht zu erkennen gegeben.

00:03:25: überhaupt war schon späten.

00:03:26: es war ein bisschen dunkel auf der Straße.

00:03:28: ich konnte ja nicht wissen wer der junge Mensch war.

00:03:30: ist kein Brot da?

00:03:32: Siehst du, wieder hast kein Brot reingestellt.

00:03:36: Du weißt doch das ich Brot beim Essen auf dem Tisch haben will?

00:03:39: Noch zieht dich eben vorher an!

00:03:41: Das Bild hängt schief auch Kinder was macht ihr bloß den ganzen Tag.

00:03:46: Keiner passt auf wenn ich es nicht sehe.

00:03:50: Ja ein ganz hübsches Bild.

00:03:51: Ich sammle so bisschen Impressionisten.

00:03:52: natürlich von der modernen Kunst halte ich nichts.

00:03:55: ja also richtig er sagt er wäre stellungslos er hätte keine Wohnung Und Mahlzeit, Mahlzeit.

00:04:02: Mahl-Zeithilde, Mahltzeitwalter, Mahlezeitwelsch, Komsenlikör, Kaffee trinken wir drin.

00:04:07: Kommt so wie rauchende Zigarre!

00:04:08: Hier die ist leicht.

00:04:10: Nehmen sie die, die ist besser.

00:04:11: hier haben Sie Feuer.

00:04:12: ja um auf die Geschichte zurückzukommen.

00:04:15: Sie meine Frau ist gerade mal rausgegangen.

00:04:17: Kennst du schon den Witz von dem alten Grafen, der heiratet und im Hotel vor der Hochzeitsnacht noch schnell in die Bar geht?

00:04:24: Er verlangt Pilzner.

00:04:26: Sagt er Barkeeper!

00:04:27: Herr Baron, nimm sie kein Pilzener, das schlägt nieder!

00:04:30: Nehmen Sie lieber ein Glas

00:04:31: Sherry!"

00:04:32: Tut er.

00:04:33: Wir haben am nächsten Morgen runterkommt, sagt er zu dem Kellner.

00:04:35: Wissen Sie was?

00:04:36: Geben sie mir zwei Glas Scherry und meiner Frau schicken Sie da keine Pillen!

00:04:40: Oh, da bist du.

00:04:42: ja Ich sage geradezu welchen.

00:04:44: mit der Mietz-Regelung müsste man das anders regeln.

00:04:47: Ist der Kaffee fertig?

00:04:48: Ja kommen Sie welche.

00:04:48: wir wollen Kaffe trinken Ein oder zwei Stück Zucker Milch.

00:04:51: ich nehme nie Milch hat mir der Arzt verboten.

00:04:54: Kaffer hat immer auch verboten.

00:04:55: Man kann bloß nicht alles tun was ein Biärzte sagen Ja nun passen Sie auf wie das mit dem jungen Mann war.

00:05:00: Er hatte mich meine Adresse gebeten, das habe ich nun nicht getan.

00:05:05: Ich werde doch einen fremden Menschen die meiner Adresse geben, wo so viele Schwindler in Berlin rumlaufen, doch bei Fettmeer ein.

00:05:11: Haben sie eigentlich Oberbedarf verkauft?

00:05:14: Ich weiß nicht!

00:05:15: Ich hab kein rechtes Zutrauen.

00:05:17: Was, was denn?

00:05:18: Sie gehen doch noch nicht auch!

00:05:21: Welch machen sie doch keine Geschichten.

00:05:22: Wird ihre Schwägere ein bisschen warten?

00:05:24: Kommen sie immer noch früh hin.

00:05:26: Lächerlich.

00:05:28: Bleiben sie doch noch ein bisschen.

00:05:29: Wie bleiben sie dann noch?

00:05:31: Noch wenn sie durchaus wollen.

00:05:33: Warten sie ich bring's raus.

00:05:34: Hier.

00:05:34: das ist ihr überzieht.

00:05:35: Das ist meine.

00:05:36: Ja ich lass bei Cropart arbeiten.

00:05:38: Ich bin ganz zufrieden.

00:05:39: Er macht mir extra Peise.

00:05:40: der Meister bedient mich immer selbst.

00:05:42: Welch haben Sie das Papier hier hingeschmissen?

00:05:45: Ach, das ist von Ihren Blumen.

00:05:47: Walter!

00:05:47: Nimm mal das Papir hier weg.

00:05:49: Hilde soll hinten nicht so einen Krach machen.

00:05:51: Sage mal Papa will das nicht und schick mir mal das Mädchen vor.

00:05:55: Na dann auf Wiedersehen, welch.

00:05:56: Auf Wiedersehen kommen sie gut nach Hause.

00:05:58: Wo bist

00:05:59: du?!

00:05:59: Denn euch weiß nicht, der Welch gefällt mir.

00:06:02: Nicht nervös ist der Mann!

00:06:04: Ich hab ihm die Geschichte erzählen wollen.

00:06:06: Weißt du das von dem jungen Mann?

00:06:07: Was ich dir schon erzählt habe neulich vom Theater... Die Sache ist ja auch sehr interessant.

00:06:12: Welch kannst du nichts

00:06:13: erzählen?!

00:06:14: Weißt Du was er tut?

00:06:15: Er hört nicht zu!

Über diesen Podcast

"Schnipsel" nannte Kurt Tucholsky (1890-1935) seine späten Aphorismen. Sein journalistisches, feuilletonistisches und lyrisches Gesamtwerk ist aber weit mehr als das: Ein hochintelligent-pointierter Kosmos seiner Zeit.

Der Sprach- und Sprechkünstler Frank Dittmer trägt in diesem Podcast seit 2019 wöchentlich einen neuen Text von Tucholsky vor: über Politik und Liebe, Kunst und Literatur, die Tragik und die Komik des Lebens.

Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind vor hundert Jahren veröffentlicht worden - also zu Beginn der "Goldenen Zwanziger", von Tucho skeptisch-wohlwollend beäugt und schonungslos-satirisch beschrieben. Aktuell sind Texte aus dem Erscheinungsjahr 1926 zu hören.

Nach längerer Schaffenspause 1923 ließ sich Tucholsky Anfang 1924 wieder von Siegfried Jacobsohn für die "Weltbühne" unter Vertrag nehmen und zog im April des Jahres als deren Korrespondent nach Paris. Bis Ende 1926 blieb Frankreich sein Lebensmittelpunkt.

Übrigens: Der Name dieses Podcasts leitet sich von einem der fünf Pseudonyme Kurt Tucholskys ab: "Ignaz Wrobel".

Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis aller hier bisher veröffentlichten Tucholsky-Texte mit Hyperlinks befindet sich hier: https://www.frank-dittmer.de/liest-tucholsky

von und mit Frank Dittmer

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